Das Ende der Spex

In Berichte & Reportagen, Bücher, Filme, Serien, Magazin, Musik & Spiele by Alina Kopp1 Comment

Es war einmal, da gab es noch keine InfluencerInnen, kein unbegrenztes Streaming und keine Algorithmen, die Dich magisch zur Musik Deines Geschmacks geleitet haben. Zu jenen Zeiten war man auf andere Angebote angewiesen, die Dich über die neusten Trends der Popkultur auf dem Laufenden gehalten haben: Zeitschriften!

Edgy bis zum Gehtnichtmehr

Auf das Jahr 1980 geht die erste Ausgabe der Spex zurück, die das Herausgeberkollektiv um Gerald Hündgen, Clara Drechsler nach der englischen Punk-Band X-Ray Spex haben. Ausgehend von der Aufbruchsstimmung von Punk und Wave, erschienen in der Spex immer mehr Artikel rund um verschiedene Musikszenen und Subkulturen, die sich durch ihre Tiefe, ihre subjektive Berichterstattung und ihren DIY-Charakter auszeichneten. Wollte man die neusten Trends mitbekommen, abonnierte man keine Instagram-Accounts, sondern die Spex.

Der Medienwandel mal wieder

Heutzutage brauch man keine Nerds mehr, die uns mit Musiktipps versorgen, man kann sich selbst aussuchen mit was und wem man sich beschäftigt. Zeitschriften haben ihren Sonderstatus verloren, da sie im Vergleich zu ihrer Konkurrenz mittlerweile viel zu teuer und langsam sind. Während sich Onlinemedien wie YouTube, Blogs oder Onlinezeitschriften wie die Vice quasi ständig zu Wort melden, erscheint die Spex nur einmal alle zwei Monate – für heutige Verhältnisse quasi Epochen an Internetgeschichte.

Die Stimme der Unterdrückten

Trotzdem trauern viele Menschen, die mit der Spex großgeworden sind, der guten alten Zeit hinterher, die nach 38 Jahren und 384 Ausgaben mit Jahresende besiegelt wird. Und es ist auch wirklich schade: Denn mit dem Erscheinen einer richtigen Zeitung, die man in den Händen halten, durchblättern und Kaffee drüber schütten kann, geht nicht nur ein gewisser Lifestyle flöten. Auch die Arbeit und Zeit, die in die Artikel investiert wurden, finden heute kaum noch ihresgleichen. Außerdem war die Spex ein Medium, das ungehörten, unterdrückten Meinungen eine  Stimme verliehen hat und damit eine Bereicherung für die unüberblickbaren Kosmos an Kultur darstellt.

Ruhe in Frieden

Naja @prettybabyflo: Vielleicht hat sich die Spex manchmal allzu arg den modernen Jugendkulturen verwehrt und das tausendste Tocotronic Interview hätte auch mal in der Schreibmaschine stecken bleiben können. Bis zu ihrem Ende gibt es aber auch immer lesenswerte Artikel, die zeigen, was die Spex alles drauf hat: Empfehlenswert ist die Rezension des Films „Kin“ und seinem von Mogwai produzierten Soundtrack oder der Artikel übers Plattensammeln im 21. Jahrhundert. Und wer weiß: Am Ende erleben Zeitschriften auch nochmal ein Revival wie Vinyl und die Hipster von 2030 lesen wieder analog.

Wie seht Ihr das denn? Legt Ihr Wert darauf auch mal ein schönes Stück Text in der Hand zu halten, oder seid Ihr mit den unendlichen Weiten des Internets voll bedient?

 

Comments

  1. Also ich finde es schon geil, mal ein „schönes Stück Text in der Hand zu halten“. Aber in Zeiten des Klimawandels muss jeder Baum stehen bleiben, der kann.

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