Der Bechdel Test über Frauen im Film

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Passend zum kürzlich vergangenen Weltfrauentag am 08. März , bietet es sich an mal über die heutige Repräsentation von Frauen in Hollywood-Filmen zu sprechen. Der Bechdel Test eignet sich durch seine Einfachheit hierbei am besten für eine erste Auswertung der Unterhaltungsmedien.  Es gibt im Test insgesamt nur drei Fragen, die man sich beim Film gucken stellen muss und so viel sei schonmal verraten: Die meisten Filme bestehen selbst zu Zeiten von Captain Marvel nicht. (Ihr habt den Film noch nicht geguckt? Klickt hier für den Trailer.)

Was ist überhaupt der Bechdel Test?

Zutage kam der Bechdel-Test das erste Mal 1985 im Comic „Dykes to Watch Out For“ von Alison Bechdel. Dort erklärt eine der Figuren ihrer Freundin, dass sie von nun an nur noch Filme schaut, die ihr drei Fragen positiv beantworten können. Diese sehen wie folgt aus:

  1. Gibt es im Film zwei weibliche Charaktere (mit Namen), die aufeinander treffen?
  2. Sprechen diese miteinander?
  3. Sprechen sie über etwas anderes als Männer?

Hier sind die Fragen nochmal in grafischer Schönheit veranschaulicht

Dass die Regel von einer ihrer fiktiven Charaktere ein solches Ausmaß an Wichtigkeit erlangen würde, hätte Alison Bechdel nach eigenen Angaben nie im Leben erwartet. Sie nimmt die Fragen von damals aber nicht zurück, sondern setzt sie sich seit Jahren vielmehr dafür ein, dass der so genannte Bechdel Test nach „Bechdel-Wallace Test“ umbenannt wird. Ihre Freundin Liz Wallace war nämlich nach einem spannenden Gespräch die Inspirationsquelle für die drei Fragen.

Das lustige an einer offziellen Umbenennung wäre, dass sich der Test dadurch selbst erfüllen würde. Denn damit würde er darauf hinweisen, dass sich Bechdel und Wallace mal über ihn unterhalten haben!

Wieso ist der Bechdel Test überhaupt so wichtig?

Wenn Du dir jetzt diese Frage stellen solltest, ist es wichtig das Dahinterliegende zu erkennen. Der Test verdeutlicht nämlich, wie stark Frauen selbst heute noch in den Unterhaltungsmedien unterrepräsentiert werden. Weil Filme ein großer Teil unserer Kultur und Gesellschaft sind, sollten wir uns alle deshalb eher die Frage stellen:

Schließt man Frauen durch das Fehlen im Film nicht auch automatisch an der Teilhabe eines medialen Kulturguts aus?

Dass das ein ernsthaftes Problem wäre, erklärt sich eigentlich von selbst. Wenn Du mal überprüfen möchtest, ob Dein Lieblingsfilm bestehen würde oder nicht, kannst Du das ganz einfach über Bechdeltest.com checken. Aber Vorsicht vor Enttäuschung – es bestehen nicht einmal alle Harry Potter Filme! „Harry Potter und der Feuerkelch“ ist der Grund für das Durchfallen der Reihe.

Selbst Hermine ist enttäuscht.

Wichtig zu wissen

Der Bechdel Test verrät ganz klar eine Menge über die Unterrepräsentation von Frauen in Film und Fernsehen. Es ist aber trotzdem wichtig im Kopf zu behalten, dass die drei Bechdel Fragen allein nicht verraten können, ob ein Film tatsächlich feministisch ist oder nicht – oder ob ein Film qualitiativ gut ist oder nicht. Wenn man nämlich einfach nur nach dem Bechdel Test geht, fiele der Hollywood-Film „Gravity“ mit Sandra Bullock als eine von zwei Hauptfiguren durch und Sir Mix A Lots Musikvideo zu „Baby Got Back“ würde bestehen. Dass das Musikvideo nicht feministisch ist, erklärt sich innerhalb der ersten 10 Sekunden von selbst.

Trotzdem ist der Bechdel Test hilfreich, um erstmal zu sehen, ob ein Film überhaupt die richtige Richtung einschlägt oder die Existenz von Frauen indirekt verneint. Das klingt jetzt erstmal überzogen, aber sowas geht zum Beispiel gar nicht:

Queere Charaktere im Film

Wie in der ze.tt erklärt, sieht es für queere Charaktere in den Unterhaltungsmedien sogar noch schlechter aus als bei den Frauen. Es gibt zwar keinen allgemeingültigen Test wie den Bechdel Test, der Filme auf die Repräsentation von  lesbischen, schwulen oder transgeschlechtlichen Figuren überprüft, aber laut ze.tt Artikel hat eine amerikanische Studie ergeben, dass selbst Nischenfilme fast gar keine queere Figuren in den näheren Fokus nehmen. Hier besteht also auch noch ein großer Nachholbedarf!

In die richtige Richtung geht Netflix aber schonmal mit der neuen Serie „Pose“:

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