Eine Welt ohne Likes? Gefällt mir (nicht mehr)!

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Stellt Euch vor, es gäbe ein soziales Netzwerk, das ohne Likes und Followerzahlen auskommt!

Jemand, der sich wohl kaum über die Anzahl seiner FollowerInnen oder seinen Auftritt in Social Media Kanälen Gedanken machen muss, ist Rapper Kanye West. Doch genau dieser veröffentlichte vor wenigen Tagen einen Tweet, der unseren Umgang mit sozialen Netzwerken erheblich verändern könnte. “Es sollte möglich sein, dass wir die sozialen Medien nutzen können, ohne dabei zeigen zu müssen, wie viele Follower oder Likes wir haben.“ Schließlich könne man die Kommentarfunktion ja auch deaktivieren. Kanye West geht sogar einen Schritt weiter, indem er behauptet, dass dies einen negativen Einfluss auf unseren Selbstwert habe.

Das gesamte Treiben in sozialen Netzwerken lebt eigentlich fast ausschließlich von Reaktionen auf Beiträge, Tweets oder Kommentare. Wir doppelklicken auf Fotos oder drücken „Gefällt mir“ bei Posts, die uns besonders gut gefallen oder einfach, weil wir die Person gut kennen und sie damit “unterstützen“ wollen. Jeder Mensch kann, je nach Einstellung der Privatsphäre, sehen wie auf den Beitrag reagiert wurde. Dabei wirkt es doch irgendwie merkwürdig, wenn ein Post so ganz alleine steht. Keinen Daumen nach oben, kein Kommentar oder vielleicht einfach zu wenig von beidem. Wer 200+ FollowerInnen auf Instagram hat, gibt sich wohl kaum mit fünf Likes zufrieden. Ihr steckt extrem viel Mühe in die Gestaltung Eurer Accounts und zerbrecht Euch womöglich  ewig den Kopf darüber, welches Bild Euch oder Euer Motiv perfekt in Szene setzt. Dabei habt Ihr sehr wahrscheinlich immer im Hinterkopf, wer und wie viele auf den Beitrag reagieren könnten. Setzt Euch das nicht unter Druck? Klar, einige von Euch lässt das bestimmt auch kalt und es geht einzig und allein darum, eine schöne Erinnerung mit FreundInnen und FollowerInnen zu teilen. So oder so kann nicht nur das reale, sondern auch das virtuelle Leben ziemlich kompliziert werden.

Was wäre wenn?

Das würde den Druck oder sogar Konkurrenzgedanken unter Umständen erheblich vermindern. Die Zahl der AbonnentInnen prangt nicht mehr direkt neben dem Profilbild und die Inhalte rücken mehr in den Vordergrund. Ob dieses Modell eine Zukunft hätte, bleibt zunächst fraglich. Die Meinungen gehen, wie so oft im Internet, sehr weit auseinander. Mehrere tausend NutzerInnen kommentierten seinen Tweet und eine Userin schrieb, dass sie sich schon lange wünscht, dass auf Likes verzichtet wird. Viele halten Reaktionen auf Posts für unverzichtbar, da diese Netzwerke zum regen Austausch dienen sollten. NutzerInnen benötigen ein Feedback, um genau zu wissen, ob ihre Beiträge eine Masse erreichen und gerne gelesen oder angeschaut werden. So heißt es im Tweet des folgenden Nutzers:

Dieser Nutzer schreibt sogar, dass er aktiv daran arbeitet neue FollowerInnen zu gewinnen. Es zeigt sich, manche brauchen diese Orientierung, um ihre Inhalte zu verbessern oder sich an ihr Publikum anzupassen. Würde Wests Vorschlag umgesetzt, hieße das aber, dass die Funktion sowieso optional nutzbar wäre. Das bedeutet, UserInnen könnten ihre Zahlen öffentlich lassen. Gerade in den letzten Jahren, in denen mit Beiträgen auf Instagram und Co. gute Geschäfte gemacht werden können, wollen die BloggerInnen ihre Likes wohl kaum “verlieren“. In den zahlreichen Reaktionen erheben sich viele positive Stimmen, wie z.B. in folgendem Tweet, wo die Meinung vertreten wird, dass Inhalte eher durch Ideen und nicht durch Reichweite bekannt werden sollten.

Utopie oder Langeweile?

Laut der JAMES-Studie von 2016 besitzen 94 Prozent der Jugendlichen ein Profil in mindestens einem sozialen Netzwerk. Spitzenreiter ist zurzeit Instagram, dicht gefolgt von Snapchat. Unbestritten ist also, welch hohen Stellenwert Social Media bei jungen NutzerInnen eingenommen hat und wie unterschiedlich damit umgegangen wird. Kanye West mag mit seiner Behauptung durchaus richtig liegen, dass es einen gewissen Einfluss auf das Selbstwertgefühl haben könnte. Viele fühlen sich verunsichert, wenn sie nicht das gewünschte Feedback für Ihre Mitteilungen bekommen. Man neigt dazu sich zu verstellen, nur um seinem Online-Bekanntenkreis zu gefallen. Für jene wäre es möglicherweise eine echte Erleichterung, wenn sie nicht ständig checken müssten, wer was wann geliked hat. Andere dagegen freuen sich, wenn ihre Beiträge ankommen, selbst wenn ihr Profil “nur“ von 50 Leuten abonniert wird. Für den ein oder anderen wäre es ganz ohne also auch langweilig. Ob die Idee irgendwann in die Tat umgesetzt wird, ist noch nicht bekannt. Der Rapper steht bereits mit den Geschäftsführern von Twitter und Snapchat in Kontakt, man darf also gespannt sein.

Was haltet Ihr von diesem Vorschlag? Brauchen wir Likes und FollowerInnen oder ist das Konzept mittlerweile total veraltet? Teilt es uns in den Kommentaren mit!

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