Facebook löscht Satire-Bilder von „Barbara.“ – aber warum?

In Beiträge, Berichte & Reportagen, Magazin by PikLeave a Comment

Die anonyme Satire-Seite „Barbara.“ musste in letzter Zeit eine Menge wegstecken. „In den letzten Wochen haben Facebook und Instagram zahlreiche Beiträge von mir gelöscht, weil sie angeblich gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßen. Dabei wurde mir gedroht, dass mein Account gelöscht wird, wenn das nochmal passiert.“, teilte die Seite Mitte Januar auf Facebook mit. Seitdem ist viel passiert: Weitere Beiträge wurden entfernt, dann griff eine Facebook-Mitarbeiterin ein und entschuldigte sich im Namen der Plattform. Aber auch, wenn alle Beiträge im Nachhinein wieder hergestellt wurden und „Barbara.“ prinzipiell rehabilitiert wurde, ist die Seitenbetreiberin alles andere als zufrieden. Denn dass alles so glimpflich verlaufen sei, liege vor allem an der großen Öffentlichkeit der Seite: „Facebook und Instagram haben alle gelöschten Beiträge wiederhergestellt. Diesen Umstand verdanke ich in erster Linie euch da draußen, die ihr lautstark für mich protestiert habt und auch der beinahe gesamten Presselandschaft, die über den Fall berichtete, und mir Rückendeckung gegeben hat.“ Eine große Reichweite darf aber eigentlich nicht der Grund dafür sein, dass ein solches Versehen auffällt und kritisiert wird.

#erlkönigin #innereskind #barbara #dasklebenistschön #heidelberg

A post shared by Barbara. (@ich_bin_barbara) on

Warum ist dieser Vorfall so problematisch?
Die Gemeinschaftsstandards und Regelungen auf Facebook und Instagram sorgen immer wieder für Debatten, weil das Löschen von Accounts und Bildern beliebig wirken kann, wie dieses Beispiel zeigt. Das liegt unter anderem an der aktuellen Rechtslage: Seit Herbst letzten Jahres sind soziale Plattformen in der Pflicht, offensichtlich rechtswidrige Beiträge innerhalb von 24 Stunden zu löschen. Deshalb beschäftigen Facebook und Co immer mehr MitarbeiterInnen, die für das Löschen von Beiträgen verantwortlich sind. Was genau aber rechtswidrig ist, kann schwierig zu bestimmen sein, und deshalb gehen die MitarbeiterInnen häufig auf Nummer sicher. Fotos, auf denen jemand nackt dargestellt wird, sind zum Beispiel leicht zu identifizieren, aber politisch motivierte Hassrede und Ähnliches kann nicht so leicht als illegal erkannt werden, rechtfertigen sich die Plattformen. Außerdem gebe es immer noch nicht genügend geschulte MitarbeiterInnen, die zuverlässig und korrekt die Gemeinschaftsstandards durchsetzen.

Netzpolitik und Internetrecht ist in den letzten Jahren gefühlt schlagartig relevant geworden. Noch 2013 behauptete Angela Merkel „Das Internet ist für uns alle Neuland.“, und nach und nach muss sich die Politik und die Gesellschaft das Netz insofern zu eigen machen, als dass Regulierungen und Gesetze erlassen und befolgt sowie Zuwiderhandlungen gefahndet werden.

Was können wir tun?
Weil das neue Gesetz und Internetrecht im Allgemeinen noch nicht ausgereift sind, ist es wichtig, selbst aktiv zu werden: Man kann auf jeder Plattform Beiträge melden, wenn sie beispielsweise Hassrede beinhalten oder Gewalt verherrlichen, damit diese gegebenenfalls gelöscht werden können (hier geht es zum Sicherheitsbereich von Facebook und Instagram). Damit kann jede/r seinen Teil tun, um das Netz ein bisschen sicherer zu machen. Außerdem solltet ihr natürlich auch selbst darauf achten, die Richtlinien der Plattformen zu achten und eure Mitmenschen im Netz genau so gut behandeln wie in der Realität. Und vielleicht schaffen es Facebook und Co irgendwann, die richtigen Beiträge zu löschen und keines dieser Kunstwerke von „Barbara.“.

#barbara #dasklebenistschön

A post shared by Barbara. (@ich_bin_barbara) on

Leave a Comment

17 + 4 =