„I came, I saw, I selfied.”

In Beiträge, Events, Magazin by Alina KoppLeave a Comment

Glitzer, Candy, Flamingos und alles in Pastell. Am 26. September eröffnet in Köln das „Supercandy! Pop-Up Museum„, in dem auf 1200 Quadratmeter zwanzig verschiedene Installationen erstellt wurden, die begehbar und interaktiv sind und nicht nur zufällig hervorragende Fotokulissen hergeben: Dieses Museum wirbt explizit mit seiner „Made-For-Instagram Ausstellung“, inklusive perfektem Fotolicht und Umkleideraum. Dort kann man sich topgestylt und selfie-bereit in einem riesigen rosa Bällebad räkeln, in den schwarzen Lakritzpool eintauchen oder sich unter dem rosafarbenen Wolkenhimmel aus Zuckerwatte entspannen. Und damit man nicht nur zuckersüß aussieht, sondern auch was zwischen die Beißer bekommt, findet man unterwegs auch die ein oder andere Softeisstation oder einen Frozen Yogurt Stand, die der besondere Sponsor dieser Ausstellung bereitstellt: Haribo! So kann man sich in einer der Installationen auch mit einem riesigen Goldbär ablichten lassen. Klingt super, oder nicht?

https://www.instagram.com/p/Bk7ens1Babw/?hl=de&taken-by=supercandymuseum

Instagram-„Museum“?

Leider sehen das nicht alle so. KritikerInnen drängt sich immer wieder eine Frage auf: Was hat das Ganze bitte mit einem Museum zu tun? Diese sollen laut dem internationalen Museumsrat nämlich gemeinnützig sein und den BesucherInnenn etwas beibringen. Und so schön und witzig es auch ist, Bilder von sich zu machen und sie bei Instagram hochzuladen, „zur Bildung betragend“ ist dann vielleicht doch etwas hoch gegriffen. Das Supercandy! präsentiert sich auch nicht gerade wie ein Museum, das den Stellenwert der modernen Selbstfotografie aufarbeiten möchte, sondern eher wie ein Unternehmen, das einfach eine tolle Kulisse für Fotos anbietet und einen dabei mit Süßigkeiten versorgt. Das merkt man auch an den Eintrittspreisen: 21-29 EUR muss man hier für einen 90-minütigen Besuch bezahlen, während das Museum Abteiberg in Mönchengladbach gerade mal 5-8 EUR verlangt.

Inspiration aus Übersee

Das Konzept solcher „Instagram-Museen“ ist übrigens nicht neu, sondern wie so oft aus Amerika zu uns rübergeschwappt. In San Francisco gibt es z.B. das Museum of Ice Cream, vor dem man ähnlich rosa-quirlige Installationen finden kann wie im Supercandy! in Köln. Und obwohl das Museum sich als normales Kunstmuseum präsentiert, hat es mittlerweile so viele selfie-freudige BesucherInnen angezogen, dass es auf Instagram Kultstatus hat.

Selfie-Kunst?

Die Frage ist also doch nicht so leicht zu klären. Selfies gehören anscheinend zum normalen Leben, da sie einfach überall gemacht werden. Wieso sollte das Museum dann eine Ausnahme sein? Die Selbstdarstellung war der Kunst ja auch vor dem Selfie nicht fremd. Schließlich gibt es in Kunstmuseen auch immer eine Reihe großer Selbstporträts von bekannten Künstlern wie Van Gogh, die mit vielen Ahhs! und Ohs! bestaunt werden. Wieso ist es nun so ein großer Unterschied, ob man sich die Selbstinszenierung von solchen KünstlerInnenn anschaut oder an der eigenen arbeitet?

Entscheidet selbst!

Die große Frage was Kunst nun wirklich ausmacht: Tja, daran können wir uns wohl die Zähne ausbeißen. Ob Graffiti, Jazz oder Videospiele: Seit Jahrzehnten werden neu auftauchende Kunstformen von der traditionellen Hochkultur kritisch beäugt und erst nach einem langen gesellschaftlichen Prozess anerkannt. Fest steht, dass Social Media einen großen Teil unserer Lebensrealität prägt und dass es nur logisch ist, dass dies auch auf die Art und Weise wie wir Kunst erleben Einfluss nimmt. Wie genau das stattfindet und was dann tatsächlich einen künstlerischen Wert  hat, muss wohl jede/r für sich selbst entscheiden. Wir empfehlen: Wenn Ihr einfach Lust auf Selfies, Süßigkeiten und Spaß mit euren FreundInnen habt, schaut Euch das Museum doch mal an. Schön aussehen tun die Bilder allemal.

Für diejenigen, die das Thema trotzdem nicht loslässt, gibt es einen tollen TED Vortrag, der sich mit dem Einfluss von Instagram auf die Kunstwelt beschäftigt.

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