Spotify wird 10!

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Im Oktober 2008 ging die Streamingplattform Spotify erstmals online und bietet seitdem Zugang zu Millionen von Songs. Die Anzahl ist ab diesem Zeitpunkt rasant in die Höhe geschnellt. In Deutschland können wir uns seit 2012 an gestreamten Songs erfreuen.

Es ist nicht übertrieben, wenn man behauptet, Streamingdienste habe das Leben vieler verändert. Ob Film, Serie oder Musik, alles steht unbegrenzt und jederzeit zur Verfügung. Ein echter Luxus, wirft man einen kurzen Blick in die Vergangenheit. Beim Radiohören musste man ewig nicht nur auf die wöchentliche Lieblingsmusiksendung warten, sondern auch auf seinen Lieblingssong und darauf hoffen, dass der/die ModeratorIn Titel und InterpretIn verrät. Das hatte mit der Einführung von Streaming endlich ein Ende: Bei Spotify zahlt man monatlich einen bestimmten Betrag und kann nach Lust und Laune stöbern, Playlists erstellen und sogar unterwegs problemlos Musik hören. Nicht zu vergessen sind dabei all die Podcasts und Hörbücher, die der Streamingdienst mittlerweile in seine Datenbank aufgenommen hat.

„Dein Mix der Woche“

Verändert sich durch das Streamen auch unser Hörverhalten? Schließlich legen wir kaum noch CDs in den CD-Player und hören nur DAS EINE Album. Spotify hat das Musikhören revolutioniert, denn damit hat die mitunter langwierige Suche nach neuen Songs oder das Festhängen an alten Songs ein Ende. Die App stellt immer wieder neue, persönliche Playlists für die NutzerInnen zusammen und wenn diese durchgehört sind, liefert Spotify direkt neue Vorschläge. Damit ändert sich natürlich das Nutzverhalten der HörerInnen. Nicht immer trifft der Song den Geschmack und die Skiptaste ist schnell gedrückt. Warum Zeit verschwenden und schlechte Songs bis zum Schluss zu hören, wenn hundert bessere Stücke auf einen warten?

Was bedeutet das für die Musikwelt?

Der Musikwissenschaftler Hubert Léveillé Gauvin hat sich damit beschäftigt, ob diese neue Art des Hörens auch Auswirkungen auf die Musik hat. Dazu untersuchte er die Singlecharts der letzten 30 Jahre. Tatsächlich lässt sich eine Tendenz erkennen. Die Intros der Songs werden immer kürzer und der Gesang setzt früher ein, ebenso wie der Refrain. Er vergleicht Whitney Houstons „How Will I Know“ aus dem Jahre 1985 mit „Happy“ von Pharrell Williams, der 28 Jahre später veröffentlicht wurde. Erst nach 40 Sekunden ertönt Houstons Stimme, das Intro von „Happy“ endet bereits nach zwei Sekunden. Natürlich ist dies ein extremes Beispiel, es verdeutlicht aber seine These. Liegt dies allein an Spotify? Gauvin bezeichnet den Streamingdienst als einen wesentlichen Faktor. Die Erklärung dafür erscheint aber logisch: die ersten 30 Sekunden sind heutzutage beim Hörer entscheidend. Das heißt, die Musik muss schon in den ersten Sekunden Aufmerksamkeit erzeugen, sonst übersteht sie die kritische 30 Sekunden-Marke nicht. Überdies hat sich das Musikmagazin Pitchfork in einem Artikel intensiv mit diesem Thema beschäftigt. Darin sprechen einige KomponistInnen und weitere ExpertInnen über den Einfluss auf die Popmusik durch Streamingdienste. (wichtig zu wissen, dass alles ab 30 Sekunden als Stream zählt). Die Musikschaffenden bestätigen, dass die Songs teilweise tatsächlich zu Gunsten des Streamings geschrieben werden, trotz des kleinen Gewinns, den sie durch diese Plattformen erzielen. Das liegt wohl daran, dass nicht nur mehr die Verkäufe die Charts bestimmen, sondern auch die Aufrufe bei Spotify und Co.

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