Weiblich, Männlich? Divers!

In Beiträge, Magazin by Alina KoppLeave a Comment

Weiblich oder Männlich, Adé! Die starre Unterscheidung zwischen nur zwei Geschlechtern wurde endlich über Bord geworfen. Was einerseits als historisch bedeutsame Entscheidung gefeiert wird, erhält andererseits viel Kritik u.a. von der Queer-Szene und den Betroffenen selbst. Doch was ist an dem Gesetz so problematisch und wie kann es verbessert werden?

Wer ist betroffen?

Als das deutsche Verfassungsgericht 2017 beschloss, dass die Wahl zwischen nur zwei Geschlechtern gegen das Persönlichkeitsrecht verstößt, erhofften sich viele Gruppen aus der Queer-Szene eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse. Das jetzt entstandene Gesetz richtet sich dabei vor allem an intergeschlechtliche (auch intersexuell genannte) Menschen. Diese kommen mit Geschlechtsmerkmalen, Hormon- und Chromosomzusammensetzungen auf die Welt, die sich nicht eindeutig einem „männlichen“ oder „weiblichen“ Geschlecht zuordnen lassen. So werden Menschen zum Beispiel mit einer Vagina und innenliegenden Hoden geboren oder „weiblichen“ Genitalien und einem XY Chromosomensatz. Was vielen Menschen nicht bekannt ist, ist dabei überhaupt keine Seltenheit: Intergeschlechtlichkeit kommt ungefähr so häufig vor wie Zwillingsgeburten. In Deutschland leben somit aktuell rund 80.000 – 120.000 intergeschlechtliche Menschen.

Der Umgang mit Intergeschlechtlichkeit

Intergeschlechtlichkeit stellt so die Vorstellung, dass Menschen biologisch entweder männlich oder weiblich sein müssen total auf den Kopf. Leider führte das bisher nicht dazu, dass man diese Ansicht mal überdenkt und korrigiert. Stattdessen wird wie so oft versucht die Menschen zu korrigieren und an die gesellschaftlichen Vorstellungen anzupassen. Immer noch werden intergeschlechtliche Menschen im frühen Kindesalter geschlechtsangleichend operiert, müssen mehrere traumatisierende Eingriffe überstehen und Hormone nehmen – obwohl Intergeschlechtlichkeit keinerlei Gesundheitsrisiko darstellt. Was sich wie eine Vorgehensweise aus einem vergangenen Jahrhundert anhört, wird immer noch praktiziert: Noch heute sind es in Deutschland 300 bis 500 Kinder im Jahr, die im Kleinkindalter an den Genitalien operiert werden.

Was kann das Gesetz dagegen tun?

Vielleicht ist der neue Gesetzesentwurf ein Schritt in die Richtung das zu ändern. Immerhin wird Intergeschlechtlichkeit nun sichtbarer: Betroffene können nun zum Amt gehen und ihr Geschlecht ändern lassen, und auch Stellenanzeigen müssen sich explizit an diverse Menschen richten. Was bereits einen Fortschritt darstellen könnte, ist jedoch an eine problematische Bedingung geknüpft: Die Änderung des Geschlechts ist nur gegen ein Gutachten vom Arzt zu haben, der die Intergeschlechtlichkeit bescheinigt. Das bedeutet für Betroffene eine weitere traumatisierende Untersuchung, die von Ärzten vorgenommen wird, die oftmals selbst nicht besonders viel Ahnung von dem Thema haben.

Geschlecht – mehr als Penis und Vagina

Zudem stellt das Gutachten ein weiteres Problem dar: Geschlecht wird von Medizinern und Biologen bestimmt und nicht von den Menschen selbst. Die geschlechtliche Identität ist aber mehr als nur Penis und Vagina – sie findet in der Psyche des Menschen statt. So gibt es viele Menschen, denen zugewiesen wird, Mann oder Frau zu sein, sich aber nicht so fühlen. Diese werden von dem aktuellen Gesetz immer also noch diskriminiert, da sie ihr Geschlecht nicht ändern lassen können. Das gilt sowohl für Transgender und nicht-binäre, als auch für intergeschlechtliche Menschen – denn ob sie sich dann auch intergeschlechtlich fühlen, oder vielleicht doch dem Geschlecht, an das sie angeglichen wurden oder etwas vollkommen anderes – das taucht in einem medizinischen Gutachten nicht auf. Dabei weiß doch jeder Mensch selbst am besten welchem Geschlecht er sich zugehörig fühlt – und nicht irgendein Arzt oder der Staat.

Selbstbestimmung statt Bevormundung

Was könnte man also an dem Gesetz ändern? In Deutschland sollte es so sein, wie in Argentinien, Dänemark, Malta, Norwegen, Belgien oder Chile – dort dürfen Menschen schon längst ihr Geschlecht nach ihrem Selbstempfinden eintragen. Ein Gender-Chaos und Geschlechter-Wahnsinn ist dort übrigens nicht ausgebrochen – viele sind ja doch mit ihrem eingetragenen Geschlecht zufrieden. Für die macht es vielleicht keinen großen Unterschied – doch für Betroffene bedeutet es eine Welt.

Falls ihr mehr über darüber erfahren wollt, was Geschlecht eigentlich ist, und euch einen Überblick verschaffen wollt über Transgender, Intergeschlechtlichkeit und Non-Binarität, schaut doch mal in diese Broschüre rein. Empfehlenswert ist außerdem diese Doku, intergeschlechtliche Menschen mal selbst von ihrer Lebenswelt berichten:

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